Donnerstag, 14. Dezember 2017
   
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Das Ende der Typschiff-Ära

Gerade mal zehn Jahre nach dem Bau des letzten Typschiffs begann schon das bittere Ende der Flotte: Zu groß, zu teuer, zu alt. Vor allem die S-Bahn brach den Typschiffen das Genick.

Landungsbrücken 014, Seit Beginn der 70er Jahre hat sich die Marktsituation für den Fährschiffverkehr im Hamburger Hafen komplett verändert. Immer mehr Menschen stiegen aufs Auto um, der neue Elbtunnel und der Bau der S-Bahn nach Neugraben machten die "schwimmende Brücke über das Wasser" an vielen Stellen plötzlich überflüssig.
Gleichzeitig waren durch die Automatisierung (z. B. in der Container-Abfertigung) immer weniger Menschen im Hafen beschäftigt. Die Werften kamen - wenn sie nicht ganz geschlossen wurden - mit immer weniger Personal aus. Kurz: Mit Beginn der 80er Jahre gab es kaum noch Hafenarbeiter, die auf die auf das andere Elbufer transportiert werden mussten.

Für die HADAG waren die Auswirkungen verheerend. Der Bedarf nach Fährverkehr brach zusammen und auch die Touristik-Fahrten im Hafen liefen immer schlechter, da sich mittlerweile viele private Barkassenunternehmer moderne Rundfahrtschiffe angeschafft hatten, die luxuriöser und beliebter als die alten Typschiffe waren.

Im Jahr 1958 beförderten die Hafenfähren noch 21,3 Mio. Fahrgäste. Auf dem absoluten Tiefpunkt 1989 waren es nur noch 2 Mio.

Die HADAG zog die Konsequenzen und startete einen schmerzhaften Schrumpfungsprozess.
Von den ursprünglich neun Fährlinien wurden die meisten entweder eingestellt oder zusammengelegt. Auch der Niederelbedienst, wurde stark eingeschränkt.

In den 70er Jahren begann der große Ausverkauf

Durch diese Sparmaßnahmen wurden viele Typschiffe überflüssig. Bereits Ende der 70er Jahre begann der große Ausverkauf, für die damals bis zu 20 Jahre alten Schiffe.
Da die Personalkosten für die Typschiffe zu hoch waren, begann die HADAG Ende der 80er Jahre mit der Planung von Typschiff-Nachfolgern. Diese Einmann-Fähren sollten den Betrieb rentabler machen.

Vierlanden 1 Ende der 90er Jahre wurde dann ein weiteres „Typschiff-Einsatzgebiet“ radikal zusammengestrichen: Die Niederelbefahrten. Werktägliche Fahrten von den Landungsbrücken nach Lühe (Altes Land) finden seitdem gar nicht mehr statt, und an den Sommer-Wochenenden gibt es nur noch zwei Abfahrten am Tag.

Diese „Kostenoptimierungen“ und der Einsatz der neuen, modernen HADAG-Fähren vom Typ 2000 machten die alten Typschiffe nach und nach entbehrlich.
Aktuell besitzt die HADAG nur noch ein Typschiff. Die „Kirchdorf“, die als Traditionsschiff dauerhaft in der Flotte bleiben soll. Sie fährt tägliche Hafenrundfahrten. Im Linieneinsatz sieht man das Schiff so gut wie nie. Bei Fahrzeugmangel in den Hauptverkehrszeiten (vor allem morgens) kann es vereinzelt noch vorkommen, dass man die „Kirchdorf“ als echte Hafenfähre sieht. Das letzte reguläre Linien-Typschiff "Tonndorf" wurde Anfang 2007 verkauft. Die "Tonndorf" fuhr bis Sommerende 2006 noch regelmäßig als Stammschiff auf der Niederelbe.

Inzwischen sind die Fahrgastzahlen der HADAG wieder auf rund 5 Mio. im Jahr gestiegen. Vor allem die Linie 62 nach Finkenwerder entwickelte sich überdurchschnittlich. Für die Typschiffe kam dieser Erfolg aber zu spät, zumal dem Touristiksektor fast vollständig der Rücken gekehrt wurde.

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