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Hamburger Hafenbarkassen und ihre Registernummern

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Hamburger Hafenbarkassen und ihre Registernummern

Beitragvon Twistlock » 2. August 2017 23:29

Hallo zusammen,

ich hoffe, daß trotz der technischen Probleme noch der eine oder andere Kenner der Materie meine Frage wenigstens teilweise beantworten kann. Ich würde es sehr bedauern, wenn dieses Forum mit dem hier versammelten Fachwissen 'untergehen' würde.

Bei einem näheren Blick auf Barkassen im Hamburger Hafen wird sichtbar, daß sie offenbar im Laufe der Zeit mit Registernummern in unterschiedlicher Form gekennzeichnet wurden. Die folgenden Varianten habe ich schon ('live' oder auf Fotos) gesehen:

a) Nummern mit vorangestelltem "H" + vier-, fünf- oder siebenstelliger Zahl, z.B.


b) offenbar historische Nummern mit vorangestelltem "HB" oder "H.B." + ein- oder zweistelliger Zahl, z.B.

    ELLI HB 4, Bj. 1923, auf einem jüngeren Foto als ELLI H3041 mit der am Bug noch erkennbaren Aufschrift HB4
    <http://www.schiffshistorisches-archiv.de/48.html?&tx_wfqbe_pi1[id]=2356>

c) als Unikat eine (evtl. noch ältere?) Nummer mit vorangestelltem Hg. + fünfstelliger Zahl:


Zu diesen Beobachtungen würden mich die Hintergründe interessieren:

    Auf welche(s) Register beziehen sich die Nummern überhaupt (z.B. Binnenschiffsregister oder ein spezielles Register für Hafenfahrzeuge)? Gibt es diese Register noch und kann man darin recherchieren?

    Aus welchen Zeiträumen stammen die verschiedenen Nummernschemata, d.h. wann wurden Nummern in der entsprechenden Form vergeben?

    Wurden beim Wechsel zu einem neuen Schema die vorhandenen Barkassen zwangsläufig 'umgekennzeichnet' oder geschah das z.B. erst bei einem Eignerwechsel, Umbau o.ä.?

    Gibt es Beispiele für andere Nummernschemata als die von mir aufgelisteten?
    (Gibt oder gab es z.B. auch dreistellige Nummern mit vorangestelltem H oder HB?)

Ich würde mich freuen, wenn ich hier etwas dazulernen könnte, und bin schon jetzt für jede noch so kleine Detailinformation dankbar!

Viele Grüße aus dem Nordrhein-Westfälischen Binnenland
Norbert

Twistlock
 
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Re: Hamburger Hafenbarkassen und ihre Registernummern

Beitragvon tug_baer » 16. August 2017 06:33

Moin Norbert,
an diesem Thema bin ich auch dran und so weit meine Bildauswertungen reichen ergibt sich folgendes Schema:

Die HB xx Kennungen (teils auch mit Punkt hinter jeder Ziffer)tauchen erstmals um 1937 bei den sogenannten "Litzern" in Hamburg auf, die als Wassertaxi sicher eine besondere Lizenz haben mussten (Stichwort deutsche Bürokratie). Höchste je im Bild nachgewiesene Nummer ist aus meiner Sicht die 94. Diese Kennungen sind für die Hafenbarkassen bis in die 90'er Jahre des letzten Jahrhunderts beibehalten worden und so manche Lizenz wechselte mal zu einem oder dem anderen Schiff (fällt insbesondere bei der HADAG auf).

Die H 3xxx Kennungen (vierstellig) lösten um 2000 die alten HB Kennungen (für Barkassen im Bereich gewerbliche Personenbeförderung)ab wobei hier keine systematischen "Umkennzeichnung" der Barkassen gibt. Höchste nachgewiesene ist H 3097, einige HPA Barkassen waren / sind mit H 34xx Nummern unterwegs.

Die H1xxxx Kennungen (fünfstellig) entsprechen der Nummer im Binnenschiffsregister Hamburg und sind häufig bei den Stauereibarkassen zu finden.

Die siebenstelligen ENI Nummern kommen nun noch in jüngerer Zeit (teils parallel zu den Registernummern dazu aber da habe ich auch noch keinen "klaren" (Durchblick) drin.

So weit 5 Cent von mir dazu (der kein Hafenfuchs ist) und somit keinen Anspruch auf Verbindlichkeit der Infos erhebt.
Gruß Gerrit

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Re: Hamburger Hafenbarkassen und ihre Registernummern

Beitragvon Twistlock » 17. August 2017 01:35

Moin Gerrit,

herzlichen Dank für die Informationen, damit beginnt der Nebel sich für mich so langsam zu lichten.

Mit Bildauswertungen kann ich bisher leider nicht dienen: ich habe zwar eine kleine Sammlung von historischen Fotos/Ansichtskarten von Hamburger Barkassen und ein paar einschlägige Bildbände zusammengetragen, aber Registernummern kann man dort mit Ausnahme einiger weniger "HB xx"-Nummern nicht erkennen. Und meine wenigen eigenen Fotos sind alle erst bei Kurzbesuchen in den letzten paar Jahren entstanden (Hamburg liegt für mich nicht gerade "um die Ecke").
Um so dankbarer bin ich für solche historischen Informationen - und in die ENI-Nummern-Thematik brauchen wir uns meinetwegen nicht zu vertiefen, mich interessieren vor allem die älteren Systematiken.

Verstehe ich richtig, daß die HBxx-Kennungen (und später H3xxx) nur für Personenbeförderungsdienste wie Litzer/Wassertaxis/Jollenführer/Hafenrundfahrt verwendet wurden, nicht für "Arbeitsfahrzeuge" (Wasserbau-, Schleppbarkassen u.ä.)?

Die fünfstelligen H1xxxx-Kennungen müßten ja schon deutlich vor den vierstelligen H3xx-Kennungen gebräuchlich gewesen sein (siehe z.B. die oben genannte BORBI / EDWIN / THOMAS EHLERS - H14008), siehst Du das auch so?

Die JAN Hg21968 ist für mich ein Unikat, hast Du evtl. Hinweise auf andere Barkassen mit solchen "Hg"-Kennungen?

Und zu allem Überfluss habe ich inwischen in einem Bildband(*) einen Beleg für ein weiteres mir bisher unbekanntes Kennungs-Schema gefunden:
Ein leider undatiertes und unbetiteltes Foto einer Barkasse mit der Kennung "BH6269" an einem Ponton vor der Hochbahnstation Baumwall, offenbar mit Hafenarbeitern an Bord. Der Schiffsname ist nicht zu sehen.
(*)Quelle: Der Hafen. Fotografien des Hamburger Hafens 1930-1970. Gustav Werbeck, John Holler, Germin, Harald Zoch. Hrsg. v. Henning Rademacher. Hamburg, Junius Verlag 2015; Seite 166. Fotograf des Bildes ist Germin (Gerd Mingram).
Hast Du in Deiner Sammlung evtl. auch Bilder/Belege für weitere Kennungen in dieser Form?

Ich möchte Dich nicht 'überstrapazieren', aber wie man wohl leicht erkennen kann, hat mich das Thema gepackt und läßt mich nicht mehr los (und das alles nur, weil ich bei meinem ersten Hamburg-Besuch vor 10 Jahren die alten Barkassen so urig fand!) ;-)

Danke und viele Grüße
Norbert

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Re: Hamburger Hafenbarkassen und ihre Registernummern

Beitragvon tug_baer » 17. August 2017 09:03

Moin Norbert,

ich versuche der Reihe nach zu antworten:

1.)Verstehe ich richtig, daß die HBxx-Kennungen (und später H3xxx) nur für Personenbeförderungsdienste wie Litzer/Wassertaxis/Jollenführer/Hafenrundfahrt verwendet wurden, nicht für "Arbeitsfahrzeuge" (Wasserbau-, Schleppbarkassen u.ä.)?
Aus meiner Sicht korrekt

2.)Die fünfstelligen H1xxxx-Kennungen müßten ja schon deutlich vor den vierstelligen H3xx-Kennungen gebräuchlich gewesen sein (siehe z.B. die oben genannte BORBI / EDWIN / THOMAS EHLERS - H14008), siehst Du das auch so?
Das Binnenschiffsregister läuft ja schon seit Anbeginn in den Nummern durch (auch bei alten Schiffen vierstellig und irgendwann auch bei 2xxxx, ein altes Schiff erhält ja auch bei Eignerwechsel eine neue Registernummer). Seit wann es eine Pflicht gibt, diese Nummer (neben dem Schiffsnamen) aussen anzubringen, kann ich Dir nicht sagen, seit ca 1960 finden sich kaum mehr Bilder ohne die Nummer

3)Die JAN Hg21968 ist für mich ein Unikat, hast Du evtl. Hinweise auf andere Barkassen mit solchen "Hg"-Kennungen?
Ja, diese Hg Kennzeichnung taucht in den 60'er Jahren auf etlichen Schiffen auf (u.a. im HADAG Buch von A. Kludas häufig zu sehen), kann mir dies als Unterscheidung zu einem anderen Register vorstellen, muss aber nachforschen warum und wieso.

4.)Und zu allem Überfluss habe ich inwischen in einem Bildband(*) einen Beleg für ein weiteres mir bisher unbekanntes Kennungs-Schema gefunden:
Ein leider undatiertes und unbetiteltes Foto einer Barkasse mit der Kennung "BH6269" an einem Ponton vor der Hochbahnstation Baumwall, offenbar mit Hafenarbeitern an Bord. Der Schiffsname ist nicht zu sehen.
Ja, diese BH Kennungen (meist mit vierstelligen Zahlen) tauchen gegen Ende der 40'er und in den 50'er Jahren auf und haben m.E. nach mit der Registrierung durch die Besatzungsmacht (hier die Briten) zu tun. Ob es nur ein vorgesetztes B zur Registernummer H xxxx ist oder neu durchnumeriert wurde, wäre noch nachzuprüfen.

Wie Du siehst gibt es viel zu erforschen und ich würde Dir raten, mal hier in Hamburg bei den einschlägigen Behörden (HPA und Schiffsregister) nachzufragen und evtl. mal ein oder zwei Tage für das Staatsarchiv einzuplanen.

Gruß Gerrit

tug_baer
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