Montag, 27. März 2017
   
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Lebenslauf Tonndorf

Die 1960 gebaute "Tonndorf" war der bunte Paradiesvogel in der Typschiff-Flotte. Nachdem sie Ende der 80er Jahre eine Zeit lang als farbenfrohes Kinderschiff durch den Hafen fuhr, war sie in den letzten Jahren bis zur Außerdienststellung als knallroter Werbedampfer unterwegs.

Alle Daten im Kurzüberblick:

Schiffstyp Typ III c
00.02.1960 Stapellauf
24.06.1960 Ablieferung
00.00.1989 Gestaltung als "Kinderschiff" zum 800sten Hafengeburtstag
00.03.2002 Neulackierung in roter Farbe aufgrund eines Werbevertrags
00.01.2007 Verkauf an R. Schwarz
25.01.2007 Übergabe an neuen Eigner und Fahrt zum alten Zollponton Entenwerder, HH
15.08.2009 Umbenannt in "Tonne". Nach umfassender Instandsetzung wieder in Fahrt.

Die ausführliche Geschichte:

Die "Tonndorf" wurde auf der Sietas-Werft in Hamburg unter der Baunummer 461 gebaut. Stapellauf war im Februar 1960. Am 24.06.1960 konnte der Neubau an die HADAG übergeben werden. Die "Tonndorf" gehörte zur letzten Bauserie der Typschiffe, der Serie "Typ IIIc".

Im Unterschied zu den meisten anderen Typschiffen, besaß die "Tonndorf" einen Diesel-Direktantrieb.
Der Grund: Die diesel-elektrischen Antriebe verbrauchten mehr Treibstoff und waren etwas langsamer. Deshalb entschied sich die HADAG dazu, die letztgebauten Typschiffe "Tonndorf", "Eppendorf", "Meiendorf" und "Kirchdorf" mit einem direkten Dieselantrieb auszustatten. Als Besonderheit erhielt die "Tonndorf" eine MaK-Hauptmaschine. Alle vier Schiffe hatten ebenfalls im Unterschied zu den übrigen Typschiffen eine hydraulische Ruderanlage.

Die "Tonndorf" war bis zuletzt eins der Stammschiffe auf der Niederelbe Richtung Lühe (zusammen mit "Jungfernstieg", "Moorburg" und zuletzt "Bergedorf"). An Hochsaison-Tagen gab es zeitweise halbstündliche Abfahrten von den Landungsbrücken ins Alte Land, nicht selten mit 400 Fahrgästen und mehr an Bord! Daneben war die "Tonndorf" aber meist zum Plankenscheuern am Hübener Kai verurteilt, was ihr vermutlich den niedrigsten Wert aller Typschiffe auf dem Betriebsstundenzähler eingebracht haben dürfte. Für die von den Schwesterschiffen bediente Finkenwerder Linie war die "Tonndorf" angeblich immer etwas zu langsam.

Wie alle Schiffe vom Typ IIIc hatte die "Tonndorf" beim Bau auf dem Oberdeck ein abnehmbares Dach erhalten. Im Winter war es so möglich, das gesamte Oberdeck zu schließen und somit auch bei Kälte nutzbar zu machen. Im Sommer konnte das Dach abgenommen werden.
Leider war dieses Konzept wenig erfolgreich. Der Grund: Die abnehmbaren Dächer verzogen sich bei der Lagerung im Sommer immer mehr so daß die Montage immer schwieriger wurde. Deswegen war die "Tonndorf" fast immer "oben ohne" unterwegs.
Irgendwann wurden auch bei den meisten anderen Schiffen vom Typ IIIc die abnehmbaren Dächer dauerhaft entfernt.

Bei den Schiffsführern war bekannt, dass die "Tonndorf" am besten fuhr, wenn sie nach vorn getrimmt war (mit vollen Ballasttanks im Bug). Das Schiff war daher von weitem gut daran zu erkennen, dass es immer sehr waagerecht im Wasser lag (während andere Typschiffe oft mit dem Heck tiefer im Wasser lagen).

Für Kopfschütteln sorgte die Tonndorf im März 2002. Die HADAG schloss nämlich mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" einen Zweijahres-Werbevertrag für die "Tonndorf" ab. Seitdem fuhr das Schiff mit knallroter "Ganzkörperwerbung" durch die Hansestadt.
Nach Ablauf des Werbevertrags war ein Umlackieren in die Hadag-Hausfarben wohl nicht mehr wirtschaftlich. Deswegen blieb der Anstrich bis heute.

Nachdem die HADAG im Jahr 2006 ihr neuntes Einmann-Fährschiff vom Typ 2000 in Betrieb genommen hatte, wurde die (inzwischen viel zu große) "Tonndorf" überflüssig.
In der Sommersaison 2006 wurde sie letztmalig auf der Niederelbe eingesetzt.

Anfang 2007 wurde das Schiff für 80.000 Euro an den Privatmann R. Schwarz verkauft. Die schicken Elfenbein-Fahrhebel waren auch verschwunden und wohl noch einiges mehr...

Ursprünglich hatte sich die "Stiftung Hamburg Maritim" um das Schiff bemüht und wollte die "Tonndorf" als betriebsfähiges Museumsschiff erhalten. Der schlechte Gesamtzustand des Schiffes und die damit verbundenen hohen Reparatur- und Instanthaltungskosten verhinderten den Kauf aber letztendlich. Das Schiff verholte an den alten Zollponton an den Hamburger Elbbrücken (neben der "Alte Werder" und "Reeperbahn") und sollte zum fahrtüchtigen Wohnschiff umgebaut werden.

Ende Februar 2008 verlegte die "Tonndorf" in den Peutehafen. Nachdem der Ende 2007 angebrachte Holzaufbau wieder entfernt wurde, fuhr die "Tonndorf" am 4.12.08 in den Harburger Binnenhafen um als Filmkulisse für die ZDF Serie "Das Duo" zu dienen.

Anschließend verholte die "Tonndorf" zur Jöhnk-Werft, Harburg. Dort wurden u.a. umfangreiche Stahlarbeiten, eine Überholung der E-Anlage, Einbau eines Ruder-Joysticks, Sandstrahlen und ein kompletter Neuanstrich in blau-weiss durchgeführt. Das Schiff wird wieder als Passagierschiff eingesetzt.

Am 15.8.09 lief das in "Tonne" umbenannte Schiff zu seiner ersten Fahrt aus.

 

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