Freitag, 15. Dezember 2017
   
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Der Weg zum Typschiff

Nach dem zweiten Weltkrieg stand die HADAG vor einem Scherbenhaufen und brauchte dringend eine neue Flotte. Das Typschiff wurde geboren. Es sollte den Fährverkehr im Hafen effizienter, schneller und einfacher machen. Keine leichte Aufgabe für die Konstrukteure.

Finkenwerder Stapellauf 1 Hamburg im Mai 1945: Die zweite Weltkrieg war gerade beendet - die Stadt glich einem Trümmerfeld und auch die HADAG-Flotte war größtenteils zerstört oder zumindest schwer beschädigt. Trotzdem schaffte es die Reederei, nur sechs Tage nach Kriegsende ihren Fährdienst eingeschränkt wieder aufzunehmen. 

Bis Ende der 40er Jahre war die Instandsetzung der alten Flotte fast abgeschlossen. 1949 veröffentlichte der HADAG Vorstand Herbert Spiesen eine Bestandsaufnahme, darin wurde deutlich, dass die alten Hafenfähren mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren. Die Flotte bestand damals aus 79 Schiffen darunter u.a. auch noch 4 Kohlenleichter und 5 Schuten. Viele der Schiffe waren waren Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gebaut worden und man hatte, so Spiesen "früher -wahrscheinlich wegen Geldmangels- die dringend erforderlichen Erneuerungen unterlassen". Ein weiteres Problem war, dass die in der Flotte aus 51 verschiedenen Schiffstypen bestand. Die Schiffe vom Anfang des 20 Jahrhunderts, wie die "Chrysander" und "Otto Schlick"-Klassen stellten damit das Rückrad der Flotte dar. Auch auf Charterschiffe sollte in Zukunft verzichtet werden. Mit diesen teilweise alten und teuer eingecharteten Schiffen konnte und wollte sich Spiesen aber den Herausforderungen der beginnenden Wirtschaftswunderzeit nicht stellen. 

Deswegen beschloss die HADAG 1949 ein großzügiges Neubauprogramm. Verschriftlichtes Ziel war die Hamburger Fähre zu bauen, in die gesamte Erfahrung von damals 60 Jahren Redereigeschichte einfließen sollte.  Aus Kostengründen sollten die neuen Schiffe weitgehend standardisiert sein. Das heißt, für jedes Einsatzgebiet sollte es nur noch einen Schiffstyp geben, der in Serie gebaut werden konnte. Daher der Name "Typschiff". Die ersten Entwürfe der neuen Hafenfähren glichen noch sehr den Schiffen der "Krautsand"-Klasse von 1939, später wurde der Entwurf dann "abgerundet" - und das typische Typschiffdesign entstand.

Das Typschiff - fünf verschiedene Typen für den Hamburger Hafen


Insgesamt waren fünf verschiedene Schiffstypen vorgesehen. Sie sollten alle ein ähnliches, unverkennbares Aussehen haben.

Farmsen Typ 00, Typ 0 und Typ I:
Kleine flache Motorbarkassen, die hauptsächlich auf den Hafenfährlinien mit niedrigen Brücken eingesetzt werden sollten.




Harburg Typ II:
Hafenfähre mit einem Fassungsvermögen von bis zu 470 Passagieren. Hauptsächlich für den Hafen- und Niederelbeverkehr vorgesehen. Insgesamt 12 Schiffe.
Dieser Typ wurde in mehreren Varianten gebaut.



Typ III:
Ähnlich wie Typ II, aber zum Teil stärker motorisiert und deutlich größer (bis zu 607 Passagiere). Hauptsächlich für den Hafen- und Niederelbeverkehr vorgesehen. Insgesamt 16 Schiffe.
Auch dieser Typ wurde in mehreren Varianten gebaut.

 

Neben den Typschiffen gab es im 1949er Plan auch interessante Projekte, die dann später nicht zur Ausführung kamen, wie HADAG Autofähren von Neumühlen nach Finkenwerder und Schulau-Lühe. Bereits 1950 sollten diese in Betrieb gehen.

 

Das erste Typschiff war eine Fehlkonstruktion

Am 19. Oktober 1952 ging das erste Typschiff in Betrieb: Die "Finkenwerder" (Typ III). Dieser Prototyp hatte allerdings so seine Macken: Das Schiff war zu schmal konstruiert und die Aufbauten waren zu schwer. Das Schiff krängte deswegen beim Ruderlegen mit Fahrgästen an Bord sehr stark.
Schnell war klar, dass dieses Typ III-Schiff zwar grundsätzlich eine gelungene Konstruktion war, die aber noch verbessert werden musste.

Die nachfolgenden Bauserien hießen deswegen auch "Typ III b" und "Typ III c" und waren ca. 30 cm breiter und leichter, als die "Finkenwerder".

Ab 1953 ließ die HADAG parallel eine kleinere Version der "Typ III-Schiffe" entwickeln: Die "Typ II-Serie".
Sie wurde - wie alle anderen Serien auch - auf mehreren Hamburger Werften und erneut mit zahlreichen kleinen Unterschieden gebaut.

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