Freitag, 15. Dezember 2017
   
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Unsinkbar: Der Rumpf der Typschiffe

Die HADAG verlangte vom Rumpf der Typschiffe vor allem eins: Er sollte ein unsinkbarer schwimmender Panzer sein. Nur so - dachten die Verantwortlichen - würden die Typschiffe den ruppigen Alltagseinsatz überstehen. Einen Anker brauchten die Schiffe dagegen kaum - er fiel daher extrem minimalistisch aus.

Marvila - ex Volksdorf -  am 2-11-2008 in Lissabon 2 Bei dem Rumpf haben sich die Konstrukteure besonders viele Mühe gegeben. Vorgabe der HADAG war ein möglichst „unsinkbares“ Schiff. Auch bei Zusammenstößen und Leckagen sollte der Rumpf schwimmfähig bleiben. Der Grund: Im Hamburger Hafen gibt es fast nur hohe Kaimauern und kaum Bereiche mit flachen Ufern. Sollte ein Schiff Leck schlagen, wäre es unmöglich, den Dampfer irgendwo schnell „auf den Strand zu setzen“.

Außerdem sollte der Rumpf mit Eisverstärkung ausgerüstet werden und einen sehr stabilen Bug haben, damit sich dieser bei Zusammenstößen möglichst nicht verformt. Deswegen entschied man sich, den Rumpf aus stabilen 10 Millimeter dicken, genieteten Stahlplatten zu bauen, was einem schwimmenden Panzer gleichkam.

Die bullige Bauweise hatte auf der vereisten Elbe enorme Vorteile

Bug und Heck wurden sehr breit und rund gebaut, was den Typschiffen ein bulliges Aussehen verlieh. Der Vordersteven (also die Bugspitze) stand fast senkrecht. Das sah zwar nicht sehr schnittig aus, hatte aber einen bestimmten – zweckmäßigen – Grund: Das Anlegen am Ponton im Winter bei Eisgang.

Um überhaupt an den Ponton herankzukommen, musste die Fähre zuerst das Eis zwischen Schiff und Anleger beiseite schieben. Dazu fuhr der Schiffsführer im spitzen Winkel mit dem Bug an den Ponton, stieß mit dem Vordersteven leicht an die Kante des Anlegers und gleitete dann mit leichter Vorausfahrt im gleichen Winkel am Ponton entlang - und zwar so lange, bis an der Innenseite eine eisfreie Zone in Schiffslänge entstand. Hätte das Schiff einen schrägen Vorsteven gehabt, hätte nur die obere Kante des Stevens den Ponton berührt – unten wäre ein Freiraum geblieben und damit auch ein breiter Streifen Trümmereis zwischen Schiff und Anleger.

Auffallend an den Typschiffen waren die fast schon extrem ausgeprägten beiden Scheuerleisten (Wallschienen) aus Stahl. Diese waren wichtig, um den Schiffskörper bei den häufigen (und teils ruppigen) An- und Ablegemanövern zu schützen. Sie waren außerdem so breit, damit die Decksmänner auf ihnen umhergehen konnten. Bei den Anlegemanövern war es nämlich häufig nötig, dass der Decksmann weit nach vorn, bzw. achtern gehen konnte, um von dort an Land springen zu können.

Um die Steuerfähigkeit des Schiffes zu verbessern, wurde der Rumpf so gebaut, dass er vom Bug zum Heck um ca. einen halben Meter schräg abfiel.

Der Anker war unwichtig und fiel extrem bescheiden aus

Selbstverständlich waren die Schiffe auch mit einem Anker ausgerüstet. Die Anlage fiel allerdings sehr klein und bescheiden aus, weil der Anker im Normalbetrieb nie erforderlich war. Der Anker wurde nicht – wie bei anderen Schiffen üblich – in Schächten am Bug untergebracht. Denn für diese Schächte hätte man die Wallschiene am Bug unterbrechen müssen. Die war aber gerade an dieser Stelle zum An- und Ablegen extrem wichtig.

Zuerst hatten die Schiffe des Typs II und III ihre Anker innen in der Back liegen, später verlegte man bei den Typ III-Schiffen den Steuerbordanker nach außen auf die Wallschiene. Ein kleiner Kran mit Handbetrieb diente dazu, den Anker über die Wallschiene zu wuchten, sowohl beim Fallenlassen, als auch beim Hieven. Ein klarer Anker war auf der Unterelbe vorgeschrieben, deshalb durften die 400er (Typ II) viele Jahre auch nur bis Schulau fahren, denn ihr Anker blieb unverändert auf der Innenseite der Schanz.

Hin- und wieder wurde der Anker bei Ausflugsfahrten nach Krautsand (Unterelbe) genutzt. Dabei verließ das Schiff den Anleger von Krautsand wieder und ankerte im Elbstrom, bis es am Nachmittag wieder zurück nach Hamburg ging.

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