Mittwoch, 18. Oktober 2017
   
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Das Oberdeck der Typschiffe

Bei der Gestaltung des Oberdecks gab es innerhalb der Typschiff-Flotte keine klare Linie. Die HADAG experimentierte sowohl mit komplett geschlossenen, als auch halboffenen Oberdecks. Es gab sogar einige Fähren, die - je nach Bedarf - zum Cabrio umgebaut werden konnten. Viel Erfolg hatte man damit nicht...

Kirchdorf Freideck_1 Das Oberdeck war bei den ersten „Typ III-Schiffen“ komplett geschlossen gebaut worden. Damit wollte die HADAG (vor allem im Berufsverkehr) auch bei schlechtem Wetter die volle zugelassene Passagierzahl ausnutzen. Der große Nachteil war, dass es aber dadurch bei gutem Wetter keine Freiluftplätze gab. Das war vor allem bei den sommerlichen Ausflugsfahrten auf der Niederelbe ein Problem. Deswegen entscheid man sich beim Bau der etwas kleineren „Typ II-Schiffe“ für ein halboffenes Oberdeck, dass nur im vorderen Bereich, direkt hinter Steuerhaus und Schornstein überdacht war.

Das Typschiff als Cabrio

Eine Besonderheit stellten die (zuletzt gebauten) Schiffe vom „Typ III c“ dar. Sie waren eine Mischung aus „Typ II“ und „Typ III-Schiffen“ und hatten ein Oberdeck mit abnehmbarem Dach. Fest war nur das Dach bis zum vierten Fenster von vorn. Ab da folgte eine abnehmbare Leichtmetallkonstruktion (inkl. Dach, Fenster, Lampen und Verkabelung), die bei Bedarf auf das Schanzkleid des offenen Oberdecks aufgesetzt werden konnte. Dieses Konzept hat sich aber über die Jahre nicht bewährt. Die abnehmbaren Teile, die an Land gelagert wurden, hatten sich nämlich mit der Zeit mehr und mehr verzogen, so dass der Anbau am Schiff immer schwieriger wurde und irgendwann unterlassen wurde.

Man wählte eine Reihe von Schiffen aus, denen man das Dach dauerhaft aufsetzte, während die anderen in der Folge immer oben-ohne unterwegs waren. Zuletzt hatte nur noch die "Wohldorf" ihr Dach drauf - und sie hat es bis heute behalten. Allein bei der "Pöseldorf" wurde das ehemals mobile Dach endgültig und mit geringen Umbauten komplett mit dem Aufbau verbunden, so dass der typische Wulst zwischen vorderem Aufbau und Dachhaube verschwand.

Beim "Typ III b" (Ausnahme: "Volksdorf") fand man als Alternative dazu große Dachluken, die von Hand geöffnet werden konnten. Sie waren der Konstruktion nach den Lukendeckeln von kleineren Frachtern sehr ähnlich und ließen sich auf Schienen in eine Parkposition direkt hinter den Schornstein schieben. Von innen wurden sie nach dem Schließen durch Knebel festegesesetzt. Über den Sitzen an den Fenstern wurden zudem Dachfenster eingebaut - eine Reminiszenz and die damaligen Schnellbusse der Hochbahn übrigens!

Rundumsicht bis zum Heck

Ursprünglich gingen die begehbaren Oberdecks der Typschiffe nicht direkt bis ans Heck. Der Grund war der Ruderquadrant (Ruderquadrant = Das obere Ende des Ruderschaftes, der zum Bewegen mittels Seilzügen/Ketten mit dem Steuerrad auf der Brücke verbunden ist.), der als großer Kasten hinten auf dem Oberdeck angebracht war. Außerdem war an der Stelle das Beiboot angebracht. Erst später kam man auf die Idee, dass begehbare Oberdeck bis zum Heck zu verlängern, indem man das Deck hinten etwas erhöhte und praktisch über den Ruderquadranten hinwegbaute.

Das dreieinhalb Meter lange Beiboot war übrigens nicht wirklich als Rettungsboot gedacht (dafür wäre es viel zu klein gewesen), sondern um z. B. beim Ankern vor der Küste das Schiff verlassen zu können. Bei vielen Schiffen dieses Typs kam das Beiboot allenfalls während Maler- und Instandsetzungsarbeiten in sein nasses Element.

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