Samstag, 27. Mai 2017
   
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Lebenslauf Jungfernstieg

Jungfernstieg (1954) vor Cancun in Mexico Die "Jungfernstieg" konnte man damals schon von Weitem hören - am speziellen Sound des Schornsteins. Inzwischen ist der Schornstein kalt: Das Schiff liegt als künstliches Riff vor der Küste von Mexiko und rostet vor sich hin.

Alle Daten im Kurzüberblick:

Schiffstyp Typ III b
30.04.1954 Stapellauf
15.09.1954 Ablieferung
24.09.1990 verkauft und übergeben an den Kaufmann H. Schwartau in Hamburg. Umgestaltet zum privaten Partyschiff mit Liegeplatz im City-Sportboothafen am Baumwall
00.00.199x Überführung in die Dominikanische Republik, dort Einsatz als schwimmende Surfschule
10.00.2001 Einsatz in der Region Cáncun und Cozumel, Mexiko
00.00.2007 Einsatz unter der Flagge Mexico, Eigner unbekannt
18.08.2007 vor der Nordküste der Insel Cozumel durch Einwirkung des Hurricanes "Dean" gestrandet - Totalverlust

Die ausführliche Geschichte:

Die "Jungfernstieg" wurde Anfang 1954 auf der Johann Oelkers Schiffswerft in Hamburg gebaut. Sie gehörte zur Typ IIIb-Serie - der ersten "richtigen" Bauserie, nach dem Typ III-Prototypen "Finkenwerder".

Am 30.04.1954 lief der Neubau in der Werft vom Stapel. Nach den Ausrüstungsarbeiten konnte die neue Hafenfähre am 15.09.1954 an die HADAG übergeben werden.

Eine Besonderheit war, dass die "Jungfernstieg" als einziges "Typ III-Schiff" im Ruderhaus eine verchromte Kompasshaube bekam und nicht  - wie üblich - aus Messing.

Bei den Schiffsführern war die "Jungfernstieg" dafür bekannt, dass sie bei schneller Fahrt deutlich schlechter nach Steuerbord drehte, als die anderen Typ III-Schiffe. Außerdem hatte die "Jungfernstieg" den markantesten Schornsteinsound, so dass man sie bereits daran erkennen konnte, lange bevor man den Namen zu lesen vermochte.

Die "Jungfernstieg" war neben Linieneinsätzen im Hamburger Hafen viel auf der Niederelbe unterwegs (zusammen mit "Bergedorf" und "Moorburg"). An Hochsaison-Tagen gab es zeitweise halbstündliche Abfahrten von den Landungsbrücken ins Alte Land. Im Winter übernahmen diese Schiffe abwechselnd den Dienst in der Hafenrundfahrt von den Typ-II-Schiffen, deren großes Freideck im Winter wenig genutzt wurde.

Bei einem Umbau wurde die "Jungfernstieg" (wie fast alle Typ IIIb-Schiffe) nachträglich mit einer großen Dachluke im Oberdeck ausgestattet. Dieses Schiebedach wurde oft bei Niederelbefahrten geöffnet.

Im Jahr 1990 wurde die "Jungfernstieg" von der HADAG ausser Dienst gestellt und an einen Hamburger Geschäftsmann verkauft. Die ex-Fähre wurde im City-Sporthboothafen (in der Nähe des jetzigen Liegeplatzes der "Grosser Michel") vertäut und als Partyschiff genutzt.

Mitte der 90er Jahre wurde die "Jungfernstieg" in die Karibik überführt und dient seitdem in der Dominikanischen Republik als schwimmende Surfschule.

1996 tauchte die "Jungfernstieg" sogar kurz im deutschen Fernsehen auf. Die "Tagesthemen" berichteten über den Absturz eines Birgen-Air-Flugzeugs, das am 6.2.1996 beim Start in der Dominikanischen Republik ins Meer stürzte. Im Rahmen einer Gedenkfeier wurden die Angehörigen der Todesopfer zu der Absturzstelle gefahren. Dafür hatte man die "Jungfernstieg" gechartert.

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