Montag, 27. März 2017
   
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Lebenslauf St. Pauli

ALBATROS II ex ST. PAULI Die "St. Pauli" hat ein wildes Leben hinter sich: Nach ihrer HADAG-Zeit war sie Butterdampfer, schwimmende Disco und wurde sogar zum schwimmenden Bordell umgebaut...bis sie ausbrannte. Von 2000 bis 2010 lag die ex-Fähre völlig ausgeschlachtet auf einem Schrottplatz in den Niederlanden. Ende 2010 wurde sie dann verschrottet.

Alle Daten im Kurzüberblick:

Schiffstyp Typ III b
10.06.1953 Stapellauf
14.09.1953 Ablieferung
00.07.1977 Verkauf an Förde Reederei GmbH, Flensburg und in "Albatros" umbenannt
02.08.1977 Einsatz zwischen Flensburg und Glücksburg, "Butterfahrten"
00.00.1979 Umbenannt in "Albatros II"
01.07.1986 Verkauf an HADAG, Hamburg erst als Linienschiff im Einsatz, später dann genutzt als Ersatzteilreserve
10.07.1986 Verkauf zur Verschrottung an E. Tietje, Hamburg - nicht verschrottet und weiterverkauft
00.00.1988 Verkauft, umgebaut und Einsatz als Discothek in Straßburg (F).
Umbenannt in "Ocean Pearl"
22.07.1990 Einsatz im Duisburger Hafen
00.00.1994 Verkauf nach Duisburg, Umbau zum Bordell "La Plaisance". Durch Brand beschädigt
19.01.1997 Gesunken im Duisburger Hafen
04.02.1997 gehoben auf Kosten der Stadt Duisburg, Auflieger bei der Meidericher Schiffswerft, Duisburg
00.12.2000 Verkauft an KUPEDO B.V., Krimpen an der Ijssel, Niederlande
00.10.2010 Verkauft zur Weiterverwendung als schwimmende Tischlerei, nicht realisiert
00.11.2010 weiterverkauft nach Vlissingen zum Abwracken

Die ausführliche Geschichte:

Die "St. Pauli" wurde 1953 als Baunummer 827 auf der Hamburger Stülcken-Werft gebaut. Stapellauf war am 10.06.1953.
Rund drei Monate später, am 14.09.1953 wurde das Schiff an die HADAG übergeben.
Die "St. Pauli" gehörte zur Typ IIIb-Serie - der ersten "richtigen" Bauserie, nach dem Typ III-Prototypen "Finkenwerder".

Eine bauliche Besonderheit war, dass die "St. Pauli" über den vorderen Fenstern des Ruderhauses keine Sonnenschutzblende hatte. Außerdem war bei der "St. Pauli" das Schanzenkleid (= das Geländer) in der Nock (= die "Balkone" links und rechts vom Ruderhaus) deutlich höher gezogen, als bei den anderen Typschiffen. Diese Besonderheiten hatten sonst nur noch die "Harburg", "Altenwerder" und "Altona".

Die "St. Pauli" hatte (wie alle anderen Typschiffe, die mit Toiletten im Heck ausgestattet waren) spezielle Sicherungen für die Fahrgastdeck-Fenster im Front-Bereich. Dabei handelte es sich um Metallplatten (Seeschlagblenden), die bei stürmischem Wetter vor die vorderen Fenster gesetzt wurden, damit diese nicht durch hohe Wellen eingedrückt werden können.

Bei einem Umbau wurde die "St. Pauli" (wie fast alle Typ IIIb-Schiffe) nachträglich mit einer großen Dachluke im Oberdeck ausgestattet. Viele Jahre verkehrte das Schiff für Sonderfahrten, Charterfahrten, Bordparties usw. und im Sommer regelmäßig zur Niederelbe. Im regulären Fährverkehr sah man die "St. Pauli" indes eher selten.

Die "St. Pauli" fuhr bis 1977 ohne nenneswerte Zwischenfälle unter HADAG-Flagge und wurde im Juli 1977 an die Förde Reederei GmbH nach Flensburg verkauft und dort in "Albatros" umbenannt.

Ab dem 02.08.1977 war die Fähre zwischen Flensburg und Glücksburg, sowie für Butterfahrten im Einsatz - unter dem Namen "Albatros".

Im Jahr 1979 wurde das Schiff in "Albatros II" umbenannt.

1986 hatte die Förde Reederei keine Einsatzmöglichkeit mehr für das Schiff und verkaufte es zurück an die HADAG. Dort fuhr das Schiff dann noch einige Zeit im Linienverkehr (u.a. auf der Niederelbe), diente danach kurzzeitig als Ersatzteilspender und wurde dann am 10.07.1986 zur Verschrottung an die Hamburger Firma Tietje verkauft.

Wegen der gut erhaltenen Substanz entschied sich die Firma aber gegen die Verschrottung und legte das Schiff erst einmal auf.

Ende der 80er Jahre wure die ex "St. Pauli" nach Strassburg verkauft, in Ocean Pearl umbenannt und zu einer Diskothek umgebaut.

Ab dem 22.7.1990 wurde das Schiff im Hafen von Duisburg eingesetzt und im Jahr 1994 dann komplett nach Duisburg verkauft.
Dort wurde die ex St. Pauli zum schwimmenden Bordell "La Plaisance" umgebaut, inkl. Sauna und Pool im Maschinendeck.
Im Zuge der Umbauarbeiten wurde das Schiff durch einen Brand beschädigt, blieb aber fahrtüchtig.

Am 19.1.997 sank das Schiff letztendlich im Duisburger Hafen - wurde aber am 4.2.1997 auf Kosten der Stadt Duisburg wieder gehoben und in die Meidericher Schiffswerft in Duisburg verbracht.

Im Jahr 2000 wurde die ehemalige Hafenfähre dann an die niederländische Firma KUPEDO B.V. in Krimpen an der Ijssel verkauft.

Eigentlich sollte der Dampfer dort zum Ausflugsschiff für den Einsatz im Hafen Rotterdam umgebaut werden. Diese Pläne scheiterten aber am Tod des Investors.
Seitdem lagt die ex St. Pauli völlig ausgeschlachtet in Krimpen an der Ijssel auf einem "schwimmenden Schrottplatz".

Im Herbst 2010 wurde das Schiff verkauft. Eine geplante Nutzung als schwimmende Tischlerei wurde nicht umgesetzt, sondern das Schiff mit Gewinn vom neuen Eigner zum Verschrotten verkauft.  

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